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Die Arbeitssituation serbischer Ärzte in Deutschland (SrBÄ)

Die Arbeitssituation serbischer Ärzte in Deutschland: Eine qualitative Untersuchung zu beruflicher Integration und Kommunikation in täglichen Arbeitsprozessen (SrBÄ)

Projektleitung und Koordination: Martin Mlinarić, Eva-Maria Fach, Olaf Martin

Laufzeit: 01.04.2017-31.12.2018

Förderer: Haushaltsfinanziert (IMS)

Hintergrund

Laut den Daten der Bundesärztekammer (BÄK 2015) sind serbische Ärzte im Jahr 2015 die zweitstärkste Zuwanderungsgruppe nach Syrer/-innen gewesen. Im Sinne des Global Code of Practice on the International Recruitment of Health Personnel der WHO sollten adäquate Unterstützungsstrukturen für ausländische Ärzte bereitgestellt werden, um ihre berufliche Integration und damit verbundene Qualität der Patientenversorgung zu verbessern. Die Qualität der Sprach- und Gleichwertigkeitsprüfungen für ausländische Ärzte weisen in vielen deutschen Bundesländern noch große Defizite auf.[1] Dennoch gibt es kaum strukturierte Unterstützungsleistungen zur Überwindung von Sprachbarrieren in der Arzt-Patienten-Kommunikation.[2]

Bisher liegen keine Studien über die Subgruppe serbischer Ärzte, ihre berufliche Integration und Kommunikation im Hinblick auf die Organisation mit Vorgesetzten und Kollegen oder die Auswirkungen ihrer Kommunikations-kompetenz auf die Versorgung von Patienten vor.

Ziele

Ziel der explorativen Studie ist es, die potentiellen Kommunikationsherausforderungen und die damit verknüpften Bewältigungsstrategien in der Arbeitssituation von immigrierten Ärzten in deutschen Kliniken auf drei Ebenen zu identifizieren.

Hinsichtlich der

  1. Kommunikation in den täglichen Arbeitsprozessen,
  2. der Kommunikation/Interaktion mit dem Kollegium (Ärzte – Vorgesetzte  – Pflegepersonal),
  3. und der Kommunikation/Interaktion mit den Patienten.

Hierbei werden die Eigenwahrnehmung der immigrierten Ärzte und deren subjektive Bewältigungsstrategien zur Überwindung möglicher Hürden und Herausforderungen in den Fokus gerückt.

Methodik

Qualitative Methoden eignen sich um das Besondere und Spezifische von Alltagssituationen in all seinen Widersprüchlichkeiten und Herausforderungen zu explorieren. Die halb-strukturierten Interviews fokussieren die berufliche Integration in eine neue Kultur sowie in ein ungewohntes Arbeitsumfeld mit Bewältigungsstrategien und beschränken sich auf tägliche Arbeitsprozesse, die berufliche Kommunikation und Interaktion mit dem Kollegium sowie den Patienten. Die Proband/-innen werden in Serbokroatisch von einem zweisprachigen und in qualitativer Forschung erfahrenen Forscher interviewt. Die qualitativen Daten werden in der Interviewsprache transkribiert und ins Deutsche übersetzt. Die Daten werden gemäß Grounded Theory ausgewertet, um einen möglichst offen-explorativen und theoriegenerierenden Charakter der Studie zu gewährleisten. Nach dem Gütekriterium der Intercodereliabilität wird im Team ausgewertet und bei der Darstellung von Sampling, Rekrutierung, Datenerhebung und Datenauswertung wird den COREQ-Leitlinien qualitativer Forschung Rechnung getragen.

Einschlusskriterium: Welche serbischen Ärzte?

Serbische Ärzte sind Staatsbürger der Republik Serbien oder serbischer Ethnizität. Letztere können auch aus der Republika Srpska oder der bosniakisch-kroatischen Föderation (Bosnien-Herzegowina), Montenegro oder anderen Dritt- und Nicht-EU-Staaten des Westbalkans (z.B. Kosovo) zugewandert sein. Serbokroatisch sprechende Staatsbürger/-innen aus den EU-Mitgliedsstaaten Kroatien, Slowenien, Österreich und der Schweiz sind aufgrund der geltenden Freizügigkeitsregel von anderen rechtlichen Rahmenbedingungen betroffen oder verfügen bereits über Vorkenntnisse im Deutschen und sind von der Studienteilnahme ausgeschlossen.

Die Informationen für die befragten Ärzte finden Sie hier.

Ergebnisse

Die Interviews starten im September 2017. Erste Ergebnisse werden im Juli 2018 erwartet. Sobald Ergebnisse vorliegen, werden diese hier veröffentlicht.

Ansprechpartner

Bei Interesse oder Fragen zum Projekt wenden Sie sich gerne an Dr. Martin Mlinarić (Tel. 0345 557-1275)

Literaturauswahl

  1. Farhan N, Wiesemann A, Wirsching M. Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Arzte/Arztinnen in Baden-Württemberg. Gesundheitswesen 2014;76(5):303–05.
  2. Hudelson P, Vilpert S. Overcoming language barriers with foreign-language speaking patients: a survey to investigate intra-hospital variation in attitudes and practices. BMC Health Serv Res 2009;9:187.

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